Unser Gruß

Gruß 2017 (Sebastian Schirmer) Liebe Gemeinde,

Das Angebot klingt verlockend: Gratis für Sie! Eine kostenlose Probepackung hier, ein angeblich unverbindliches Schnäppchen dort. Nicht selten verbergen sich hinter diesen Lockmitteln die pure Abzocke und blanker Betrug.
Meistens geht es nur ums Geschäft. Das Misstrauen wächst, je höher der Wert einer Sache ist, die mir umsonst angeboten wird. Umsonst ist nur der Tod, sagte man früher. Aber das stimmte schon damals eben auch nicht. Und selbst wer billig kauft, zahlt am Ende noch drauf, weil die Qualität nicht stimmt.
Will uns Gott etwas aufschwatzen, was wir gar nicht brauchen? Müssen wir nach der Falle im Kleingedruckten suchen, wenn er uns etwas umsonst anbietet? Ist dieses doch außergewöhnliche, qualitativ hochwertige Wasser, das er anpreist, am Ende nur trübe Plürre? Manchmal sind wir dumm, wenn wir allzu schnell zugreifen, ohne das Risiko zu prüfen. Aber manchmal sind wir dumm dran und schlecht beraten, wenn uns nur noch das Misstrauen bestimmt, wir keinem mehr Vertrauen schenken, und uns nichts mehr schenken lassen wollen und können. Manchmal hilft ja noch freundliches Zureden.
Die Durstigen sind angesprochen. Jene, die ein starkes Verlangen spüren, die erleben, dass ihnen etwas fehlt, sich fühlen, als trocknet ihr Leben aus, als sei etwas verdorrt. Um jene wirbt Gott, die erfahren wollen, wie neu belebend frisches, klares Wasser wirkt, die wissen, dass Waschen nicht nur Luxus, sondern Gesundbleiben bedeutet. Woran es Ihnen fehlt, wonach Sie sich sehnen, woran unsere Gesellschaft krankt, wie dreckig eine Vergangenheit sein kann, wie sterbend menschliche Beziehungen sind, wie stark die Alltagssorgen und -lasten uns ausbrennen, wie wüst und leer Menschen sich manchmal fühlen können, das wissen Sie selbst am allerbesten.
Schade, wenn Menschen an guten und ehrlichen Angeboten misstrauisch vorübergehen. Nicht zugreifen. Nicht trinken. Vielleicht gelingt es Ihnen ja in den nächsten Wochen oder im neuen Jahr, Ihre Schwellenangst, Bedenken und Vorurteile zu überwinden und unsere Kirchen zu betreten, einen Gottesdienst zu besuchen, einen Menschen um Hilfe anzusprechen, Ihr Herz vor einem Seelsorger auszuschütten, ein Gebet zu sprechen, die alte Bibel mal aufzuschlagen und nach Worten der Ermutigung zu suchen. Niemand will Ihnen etwas aufschwatzen. Freundlich anbieten schon.

Ihr Pfarrer Karl Albani