Unser Gruß

Gruß 2020 (PfarrerAlbani)Liebe Gemeinde,

"In dir ist Freude", so beginnt das Lied aus dem Gesangbuch, das mir mit 14 Jahren bereits zum Lieblingslied wurde. Mit der Orgel im richtigen Tempo begleitet, ist es für mich immer ein Power-Booster, stärker als Vitasprint, eine Art erhebende Hymne, bei der ich Gänsehaut kriege. Es ist auch eine musikalische Gedächtnisstütze, die in mir wach ruft, was ich an Freude erfahren habe oder schenken konnte.

Ich war 18, als mir eine sagte, sie hätte noch nie so einen fröhlichen Menschen wie mich kennengelernt. Das war vielleicht eine etwas zu dick aufgetragene Schmeichelei, aber es ist wahr: Ich brauchte nie Alkohol, um in Gesellschaft eine fröhliche Stimmung zu erzeugen. Ich muss mich morgens nicht aus dem Bett quälen, sondern ich singe oder pfeife mich in den Tag. In dir ist Freude. Ja stimmt, kann ich und könnten Sie zustimmend sagen. So viel von ihr steckt in mir und ich bin dankbar für jeden Menschen und Anlass, der mir Grund zur Freude gibt.

Aber habe ich da nicht etwas fehlinterpretiert? Dieses Lied ist doch kein Abgesang auf mich und mein Leben? Oder? Ist dieses Lied nicht vielmehr ein Dankgesang an Jesus Christus? Meinen diese Eingangsworte nicht, dass ich an ihm und durch ihn meine Lebensfreude habe, dass er es ist, der mich in Zeiten, wo mir das Lachen aber gründlich vergeht, langsam aber sicher wieder aufbaut, mich zurückholt ins Leben? Könnte beides nicht miteinander aufs Engste verbunden sein: Zu entdecken, was mir an Originalität geschenkt ist, was an Energie in mir steckt, die andere anzustecken vermag und gleichzeitig zu wissen, wem ich sie verdanke und diesem HERRN mein Lebens-Danklied zu widmen?

"In dir ist Freude in allem Leide" heißt es. Wir leiden an so vielem: an den Zuständen in der Welt, an unserer eigenen Hilflosigkeit, aber auch an unserer Inkonsequenz und Feigheit. Wir leiden mit Menschen um uns herum, die an Schmerzen und Trauer tragen. Wir leiden, wenn Menschen uns nicht leiden können, denn wir alle möchten gemocht, anerkannt und gelobt werden. "Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod" heißt es in der 2. Strophe.

Das kann ich mir und Ihnen nur von Herzen wünschen, dass uns diese Freude schenkende Gewissheit nie verloren geht: Egal wie die Teufel heute aussehen oder die schlimmen Zustände in der Welt und trotz meiner Schuld und Unzulänglichkeit bleibt ER an meiner Seite und der Grund meiner Lebensfreude.

Ihr Pfarrer Karl Albani